Es muss nicht immer “Damals war es Friedrich” sein. Und warum soll man langweilige gekürzte Schülerausgaben lesen, wenn Lesen Leselust ist und man die Zehn Rechte des Lesers von Maurice Pennac internalisiert hat? Spaß macht auch das gem/einsame Lesen und Schreiben während der Unterrichtszeit.
Der über 600 Seiten schwere Roman “Julians Bruder” von Klaus Kordon über das traurige Leben der Freunde Paul und Julian in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus und die bitteren Jahre der Inhaftierung in Buchenwald bis 1948 ist so spannend erzählt und solide recherchiert, dass er jedes Geschichtsbuch ersetzen kann.
In der Debatte waren sich alle einig, dass auch Bücher für Kinder und Jugendliche – ganz im Sinne Kordons – sehr wohl “beunruhigen” sollen und auch schlaflose Nächte bereiten dürfen, denn wie will man sonst lernen, wie das Leben wirklich ist?
Die Beschäftigung mit dem Thema lief parallel zu den Veranstaltungen der KHG und ESGzum nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Der Roman von Kordon wurde in drei Wochen (drei Deutschstunden pro Woche) gelesen.
Gelöst werden mussten drei Aufgaben:
Schreiben
Was geschah am 9./10.November 1938? Beantworte die Frage (kreativ). Deine Antwort muss zeigen, dass du dich mit dem Roman auseinandergesetzt hast. Du kannst, musst aber nicht andere Informationsquellen zu Rate ziehen.
(Entwurf, Schreibberatung, Endprodukt: 1 DIN A4 Seite, PC-geschrieben)
Debattieren
“Sollen Kinder Bücher lesen, die sie beunruhigen?“ Zwei Schüler bereiten die Debatte in Partnerarbeit vor und leiten eigenständig die Durchführung in der Großgruppe, alle leisten ihren Beitrag zum Gelingen der Debatte.
Selbsteinschätzen und Bewerten des Arbeitsverhaltens und des Produktes
Welche Zeit stand zur Verfügung? Wie habe ich sie genutzt? Wann habe ich gelesen? Wann geschrieben? Wie viel Lesezeit habe ich gebraucht? Wie viel Schreibzeit? Wie viele Seiten habe ich gelesen? Was habe ich nicht gelesen? Wie viele Entwürfe habe ich verfasst? Wie viele Korrekturen habe ich gemacht? Wer hat Korrektur gelesen? Wer hat mir geholfen? Mich beraten? Wie habe ich mich an der Debatte beteiligt? Was hat mir Spaß gemacht? Was ist mir gut gelungen? Was hat mir am meisten Schwierigkeiten bereitet? Was hätte ich haben oder wissen müssen, um die Aufgabe besser lösen zu können? Was werde ich in Zukunft auf jeden Fall anders machen? Der Roman und die Aufgabe waren (hier kannst du eine ganz emotionale Antwort geben):
Für mein Arbeitsverhalten und das Ergebnis gebe ich mir die Note:
(Unterschrift des Schülers/der Schülerin)
Meine Einschätzung deines Arbeitsverhaltens und deines Ergebnisses:
(Unterschrift der Lehrerin)