Sensationell. Spektakulär. Atemberaubend. Unerreicht…
Verdient jedes veröffentlichte Erstlingswerk tatsächlich diese Etikettierung?
Sind best “Seller” wirklich “best” Seller?
Die Frage darf erlaubt sein. Und kann Schülern – neben der Lektüre – Spaß machen. Die Aufgaben zu Leonie Swanns Schafskrimi beinhalteten ein Schreiben an die Verleiher des Friedrich-Glauser-Preises (Aufgabe 1), eine Email an die Autorin, eine Beschreibung der Erzählhaltung (Aufgabe 3), eine Rezension nach Wahl (Aufgabe 4).
Der Roman und das Layout gefielen, wie die Schülerergebnisse (Aufgabe 1, Aufgabe 3, Aufgabe 4) zeigen. Ergebnisse zeigen, wo die – modischen Schreibtrends in modischen Schreibwerkstätten geschuldeten – Schwächen des Debütromans liegen und ein kritisches Lektorat gefordert gewesen wäre. Die Aufgabe, per Email an die Autorin zu schreiben, fand wenig Interesse.
Entschieden mit “Nein, bitte nicht” beantwortet wurde die Frage nach einer möglichen Fortsetzung oder gar Verfilmung. Die Lesergeneration der Harry Potter I-VII und Twilight I-IV, Potter-Bettwäsche und Twilight-Cocktails inbegriffen, weiß durchaus die Einmaligkeit eines Schriftstücks zu schätzen und hat auch den klaren Blick für die der Vermarktung geschuldete Fließbandproduktion zeitgenössischer Autoren.
Erstaunlich ist das lange Schweigen der Lämmer schon, immerhin ist der Schafskrimi bereits 2005 erschienen. Die den Schafen versprochene Reise nach Europa hat die 8. Klasse im Frühling 2009 dann selbst in die Hand genommen. Vielleicht ist Frau Swann ja auch tatsächlich verstummt, wohl wissend, dass selbst bei Schafen Inspiration und Kreativität nicht einfach so “herauskommen”.
Ulrich Horstmann, einst Empfänger des Kleist-Preises, kennt den Erwartungsdruck an junge Autoren aus eigener Erfahrung und hat eine kleine Sammlung von Leidensgenossen unter dem Titel Die Aufgabe der Literatur oder Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zu überleben vorgelegt.
