Ist Judith Hermann – Sie erinnern sich, die Auslöserin des Fräuleinwunders in der Literatur der 90er Jahre – noch zeitgemäß? Schrieben nur Idioten ihren Erfolg ihrem Autorenfoto mit Pelzkragen zu? Die beiden Rezensenten in der F.A.S vom 3.Mai 2009 beantworten diese ihre Fragen eher kryptisch-verneinend, denn euphorisch bejahend. Zur Vermarktung ihres neuen Erzählungsbands „Alice“ (war das nicht Lewis Carroll?) trägt die Autorin hemdsärmelig Blaukariert vor roter Tapete mit weißer Holztür in Altbauwohnung – ein Indiz dafür, dass sich die Autorin selbst überholt hat? Sommerhaus später, nichts als Gespenster, Alice?
Die Schüler eines Deutsch-Grundkurses (2004) befragten die Autorin und ihre Texte mit Hilfe des durch Marcel Proust und die Wochenendbeilage der F.A.Z berühmt gewordenen Fragebogens. Der Fragebogen eignet sich hervorragend als binnendifferenzierende und kreative Strukturhilfe beim Umgang mit Texten in der Schule.
Die fiktiven Antworten von Martin Jakobs beantworten quasi antizipierend die jetzt von Iris Radisch in Die Zeit (30.04.09) provokant gestellte Frage: “Was machen diese Literaturjugendlichen eigentlich mit ihrer schönen Lebensmüdigkeit, wenn der Wecker eines Tages klingelt?“
Interessierten Lernern und nostalgischen Fans des Fragebogens wird zur Lektüre empfohlen: Indiskrete Antworten. Der Fragebogen des F.A.Z.-Magazins. Hrsg. Von Georg Hensel und Volker Hage. (Stuttgart DVA 1985). Die Sammlung enthält 150 Antworten u. a. von Hilde Domin, Friedrich Dürrenmatt, Astrid Lindgren, Tomi Ungerer.