Mehr als 2o Jahre schrieb der Philosoph Michel de Montaigne (1533 – 1592) – in der nüchternen Einsamkeit seines Wohnturms auf Chateau Montaigne unweit von Bordeaux – an seinen Essais, Schriftstücken, in denen er auf spielerische, unsystematische Weise versuchte, sich und die Welt zu verstehen. Fachliches Knowhow erworben hatte er insbesondere durch seine intensiven Studien, aber auch auf seinen ausgedehnten Reisen über den Kontinent und durch seine politische Tätigkeit als Steuerbeamter, Parlamentsrat und zweimaliger Bürgermeister von Bordeaux.

Aus heutiger Sicht können wir sagen, dass Montaigne sein Leben dem lebenslangen Lernen gewidmet hat, was die detaillierten Korrekturen der Essais bis zu seinem Tode belegen. Die Ausstattung seiner Bibliothek war beeindruckend, das Dachgebälk verzierten Zitate aus den Werken der gelesenen Autoren. Daher verwundert es auch nicht, dass Montaigne sich intensiv mit dem Thema Lehren und Lernen auseinandersetzte und erstaunlich aktuelle Theoreme benennt:

“Von klein auf schreit man uns die Ohren voll, als ob man unablässig in einen Trichter nachschütte, und nichts anderes haben wir zu tun, als immer wieder nachzusprechen, was man uns vorgesprochen hat. Ich möchte, daß der Erzieher es besser mache und von Anfang an die ihm anvertraute Seele je mach der Leistungsktaft ihr Können vorführen und selber die Gegenstände richtig einschätzen, unterscheiden und wählen lasse: manchmal mit und manchmal ohne seine Wegweisung. Ich will nicht, daß er allein sich etwas ausdenke und davon rede, ich will, daß er seinem Zögling zuhöre, wenn der seinerseits redet. Sokrates und nach ihm Arkesilaos ließen zunächst ihre Schüler sprechen, dann erst sprachen sie zu ihnen. Meistens schadet die Autorität der Lehrenden den Lernenden.”
Weitere Details, auch zu den von Montaigne geforderten Lerninhalten und Kompetenzen und der Sinnhaftigkeit der Reisens hat Konrad Duden gesammelt inMichel de Montaigne – Projektstudie (2007).
Wunderbar gelesen werden Essais und Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland von Otto Sander (Eichborn-Lido 2005, 4 CDs).
Sowohl David Gilmour als auch Remo H. Largo haben ihren Werken ein Zitat von Montaigne vorangestellt.