Hier sind sie: Bücher und Artikel über die Pubertät, in der die Pubertät nicht als Katastrophe dargestellt wird, sondern als der notwendige Baustein auf dem Weg zum Erwachsenwerden und zum Generationenwechsel.
Endlich in der Pubertät. Vom Sinn der wilden Jahre von Ralph Dawirs/ Gunther Moll (Weinheim 2008). Die Autoren vermitteln glaubhaft, dass die Pubertät eine Phase immenser Kreativität ist, deren unbeschreibliches Potential der Entfaltungsräume bedarf.
Wie der Schulalltag in vielen Fällen den Bedürfnissen der Heranwachsenden nicht gerecht wird, beschreibt der kanadische Filmkritiker David Gilmour in Unser allerbestes Jahr (Frankfurt 2008). Weil sein sechzehnjähriger Sohn Jesse Schule als “absolut irrelevant” erlebt, erlaubt er ihm — man könnte fast meinen als unmittelbare Umsetzung der von Hartmut v. Hentig postulierten Entschulung der Sekundarstufe zwecks Bewährung (München 2006) — das Aussteigen aus dem Schulalltag, unter einer Bedingung: wöchentlich gemeinsam drei Filme zu besprechen. Die Geschichte ist autobiografisch, der Verfasser zeitweilig arbeitslos, die Filmschule (der englische Originaltitel lautet lapidar Film Club) dauert drei Jahre, nicht ein Jahr, wie der deutsche Titel vorgibt. Überrascht es den vernunftbegabten Leser, dass der Verfasser die gemeinsam verbrachte Zeit als das entscheidende Moment zum Gelingen des Experiments betrachtet?
Um Mutmaßungen, die den Trends der „Boy Studies“ aufsitzen, vorzubeugen: Jesse langweilt sich nicht in der Schule und wird nicht “verhaltensaufällig”, nur weil er ein Junge ist: „Er war ein sanfter, umgänglicher Junge, aber sehr stolz und völlig außerstande, etwas zu tun, was ihn nicht interessierte, selbst wenn ihm die Konsequenzen Angst machten. Sie machten ihm sogar große Angst.“ Auch Östrogen schützt vor Langeweile nicht, was die Langeweile-Studie von Thomas Götz (2007) klarstellt.
Wer abseits feministischer bzw. maskulinistischer Ideologien mehr über “das Wesen der Jungs” wissen möchte, lese zum Einstieg die Debatten um „Wenn noch mal wer Testosteron sagt…” von Nils Minkmar (FAZ 06.12.09), Ken Corbetts „Boyhoods“. Rethinking Masculinities (YUP 2009) und Supermans Irrweg (FAS 01.11.09) von Gerald Hüther.
Wer sich einen Überblick über Schulmüdigkeit, ihre Ursachen und Handlungsstrategien verschaffen will, lese Wenn Schule zur Nebensache wird.
Wer grundsätzlich mehr über den Umgang mit Kindern und Jugendlichen lernen möchte, für den könnte der dänische Gründer der Familylabs Jesper Juul und seine Aussagen über das kompetente Kind eine Entdeckung werden.
Und wer Babyjahre, Kinderjahre, Glückliche Scheidungskinder und Schülerjahre von Remo Largo schätzen gelernt hat, den werden auch Jugendjahre. Kinder durch die Pubertät begleiten bereichern.
