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Mit Lernpartnern zum Erfolg im Regelunterricht

5. November 2010 von learningrosegarden

„Du trägst mich ein Stückel, ich trag dich ein Stückel.“

 

Kooperatives Lernen: Lernen mit Lernpartnern

 

In Lernpartnerschaften arbeiten Schüler selbstständig in Tandems in einer Regelstunde (später können es mehr sein) an einem vorgegebenen oder selbstgewählten Aufgabenbereich – Fundgrube Lehrplan — über einen fixierten Zeitraum und präsentieren anschließend ihre Ergebnisse oder lassen diese abprüfen.

 

„Wie gut, wenn man einen Freund hat, der eine Regenhütte bauen kann, dann braucht man sich vor nichts zu fürchten.“

Sinnvollerweise beginnt man zunächst mit selbstgewählten Lernpartnerschaften – in der Regel wählen die Schüler ihre besten Freunde bzw. Sitznachbarn. Sie bemerken aber sehr schnell, dass Lernen mit unterschiedlichen Lernpartnern lustvoller bzw. erfolgreicher sein kann. Wenn das Prozedere bekannt ist, kann man wechselnde oder differenzierte Lernpartnerschaften bilden lassen, eventuell auch auslosen. Erzwingen kann man partnerschaftliches Lernen nicht, Heranwachsende brauchen gelegentlich Auszeiten. Wer allein arbeiten will, darf das auch tun. (Der Geschmack kommt beim Essen).

„Du kannst ruhig hinter mir hergehen, denn ich weiß den Weg.“

Bewährt hat sich die Wahl des besten Lernpartners bzw. der besten Lernpartnerin nach einer Lerneinheit. Die Wahlergebnisse sind häufig für alle Beteiligten überraschend: Gute Lernpartner erweisen sich meistens als  zuverlässig, gut organisiert, konsequent, zupackend, ideenreich, zielstrebig, haben Expertise, sind kritisch, machen Mut. D. h. es sind keineswegs immer die vordergründig leistungsstarken Schüler. Je nach Themenschwerpunkt kommen auch stillere, zurückhaltendere, vermeintlich leistungsschwachere Mitschüler zum Zug.

„Kein Streit mehr und keine Prügel. Kein Korb, der von oben schwer auf die Schulter drückte, und kein Beamter des Königs, der ihnen die Hälfte wegnahm.“

Lernen mit Partnern ist stärkenorientiertes Lernen. Die Anonymität des Einzelnen in großen Lerngruppen wird aufgebrochen, individuelles Lernverhalten neu bestimmt, Lernerfolge stimuliert, Kooperation selbstverständlich, die Lehrperson entlastet. Den Schülern wird die Verantwortung für ihr Lernen zugemutet. Die Leistungskontrolle erfolgt gemeinsam. Lernprozesse werden gemeinsam getragen.

„Man kann nur eines tragen: seinen Korb mit Gold oder seinen besten Freund.“

Wenn man mit Lernpartnerschaften arbeitet, muss man als Lehrperson abgeben:
- die Dominanz in der Stundengestaltung,
- die Vorstellung, dass Lernen am besten mittels didaktisch zerkleinerter Häppchen lenkbar und kontrollierbar ist,
- das berufsbiografisch stabilisierte Bild vom Schüler,
- Alltagstheorien über Anstrengungsbereitschaft.

“Sag doch mal: Bouillon.”

Im Gegenzug lernt man:
- dass 5.-Klässler ihr eigenes Lernverhalten und ihre Ergebnisse minutiös beschreiben und bewerten können,
- dass 7.-Klässler viel mehr Vokabeln in Englisch lernen, wenn sie sie selbst wählen können,
- dass 9.-Klässler ihre langweiligen Wochenenden gemeinsam mit Schulaufgaben verbringen,
- dass 12.-Klässler in 15 Unterrichtsstunden nicht nur lange Rollentexte auswendig lernen, sondern eine komplette Theateraufführung organisieren können.

- Kurzum, dass Schüler erfolgsintelligent sind, wenn man ihnen Vertrauen und — im Regelunterricht — Zeit zum autonomen Lernen schenkt.

 

 

Leseempfehlungen:

Komm, wir finden einen Schatz; Oh, wie schön ist Panama; Post für den Tiger; Ich mach dich gesund, sagte der Bär von Janosch. Die Zitate sind leicht verändert.

Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen. Strategien zur Schüleraktivierung. Bd. 1 und Bd. 2 von Ludger Brüning und Tobias Saum. Essen 2006 und 2010.

Lichtblick für helle Köpfe. Ein Wegweiser zur Erkennung und Förderung von hohen Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen auf allen Schulstufen von Joelle Huser. Zürich 1999ff.

Der Eid des Sisyphos. Eine Einführung in die Systemische Pädagogik von Rolf Arnold & Beatrice Arnold-Haecky. Baltmannsweiler 2009.

Psychologie für die Schulpraxis. Ein handlungsorientiertes Lehrbuch für Lehrerinnen und Lehrer von Diethelm Wahl, Franz E. Weinert und Günter L. Huber. Belm-Vehrte 2006. Der Band erschien vor fast 30 Jahren in Form von 12 Begleitbriefen zur Fernsehserie Lehrerprobleme – Schülerprobleme. Die wissenschaftlich fundierte, umfassend-kritische und dennoch behutsame Darstellung von u.a. Alltagstheorien zur Anstrengungsbereitschaft und warum die Möglichkeiten der Selbstdiagnose durch Schüler so selten genutzt werden, ist auch heute noch aktuell und bewahrt die Skepsis vor plakativen Ratgebern wie 99 Tipps zum Umgang mit… oder Warum unsere Kinder…

Offener Unterricht. Pädagogik 04/09.

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