Feeds:
Beiträge
Kommentare

Volkspädagogik

 

Ein Streiflicht zum Jahresanfang  für Eva B.

Asklepieion  auf Kos

Die Radio-Sendung Gesund und gleichzeitig krank – Ein Plädoyer gegen den Fitness- und Wellnesswahn - lief bereits im Jahr 2004 und hat damals „einen Nerv getroffen.“

Lag es am satirischen Einstieg, wonach man nur gesund ist, weil man nicht ausreichend untersucht wurde, aber immerhin nach 50 medizinisch-technischen Untersuchungen mindestens einen pathologischen sein Eigen nennen kann?

Lag es an der rheinländisch-humorigen Färbung der Darstellung, die Arztvisiten als sakrale Zelebrierung einer Gesundheitsreligion ad Absurdum führt und mit Binsenweisheiten wie „Aber wer gesund stirbt, ist definitiv tot“  oder „Der Spaß eines Menschen, Leben für einige Jahre zu retten, ist nur Spaß. Der Ernst ist selig Sterben“ (S. Kierkegaard) die Lacher auf seiner Seite hat?

Asklepieion auf Kos

Oder lag es nicht vielmehr an der unvermeidlichen Verunglimpfung des Lehrerberufs – womit sich das Posten dieses Artikels erklärt. Bei der Gesundheitsreligion handelt es sich nach Meinung des Verfassers Manfred Lütz um einen „volkspädagogischen Ansatz. Man möchte die Deutschen zwingen, gesund zu sein. Ich halte ohnehin die Deutschen für ein Volk von Lehrern, durch unterschiedliche Berufe nur verkleidet.“ 

Das wollen wir dann doch nicht unhinterfragt lassen. Wo der Zeitgeist weht und die Intelligenz nebulös schwärmen, darf professionelle Skepsis nicht fehlen. Wir wüssten gar zu gerne,

Weiterlesen »

Apfel

Apple,

es reicht!

Lesetipp Romane

Lesezeichen von Maria (8. Klasse)Was lesen, wenn man alle Kinder- und Jugendbücher gelesen hat? Wenn man jenseits der Welten von Harry Potter, wilder Hühner, Illuminati und geliebter Vampire Erfahrungen sammeln möchte?

20 wundersame Geschichten

alphabetisch nach Autoren geordnet, bei denen man en passant fundierte Geschichtskenntnisse erwerben, Antworten auf Fragen finden und die Schönheit der deutschen Sprache erleben kann.


·    Max Frisch: Stiller. Roman (1958)

„Ich bin nicht Stiller“ behauptet der Ich-Erzähler und die 450 Seiten starke Beweisführung und die Beweisführung des Gegenteils ist ein spannendes Verwirrspiel für den Leser, ob jung oder alt. Denn die Frage nach der Identität und der Ich-Akzeptanz bleibt über Altersgrenzen und Zeitgeister hinweg brisant; besonders intensiv und brennend dann, wenn die Liebe involviert ist und die rothaarige Julika so geheimnisvoll-ätherisch (wir befinden uns in Vor-Heidi-Klum-Zeiten) ist. Wer Frisch liest, wird immer wieder konfrontiert mit der Frage, wer man denn sei, in und mit seinen eigenen Entwürfen und Bildern und/oder in und mit denen der anderen. Der Schluss führt den Leser, der sich beim Lesen mit der Hauptfigur im Rollenspiel erprobt, zum Anfang zurück: „Man will sich selbst ein Fremder sein. Nicht in der Rolle, wohl aber in der unbewussten Entscheidung, welche Art von Rolle ich mir zuschreibe, liegt meine Wirklichkeit.“

·   Helga Glaesener: Die Safranhändlerin (1997)

„Misstrauen trieb Benedetto Marzini in die Lagerhalle im Erdgeschoss seines Genueser Palazzo.“ Die Handlung des Romans spielt nicht in Genua, wie der erste Satz vermuten lässt, sondern hauptsächlich in Trier und Umgebung im 14. Jahrhundert. Die Autorin hat Weiterlesen »

Die Kunst der Langeweile besteht darin, alles zu sagen, was man weiß.”

Wenn Schüler sich erwiesenermaßen langweilen, lediglich miteinander im Gespräch sind und die Lehrperson zum Dauerredner machen? Know the signs - Realisieren, was sich abspieltWenn sie beim Lesen und Rechnen vor sich hin murmeln? Wenn sie sich erst bei ihrem Banknachbarn vergewissern müssen, bevor sie einen Redebeitrag leisten können? Wenn sie auf Lehrervorträge mit Zwischenrufen reagieren?

Dann sind sie vielleicht Vomisten, d.h. sie denken laut artikulierend. Dann sind die Gespräche mit dem Banknachbarn und das vermeintlich unkontrollierte In-die-Klasse-Rufen in vielen Fällen nicht undisziplinierte, vorlaute Störmanöver, sondern in wissensdurstiger Absicht gestellte Fragen, Anmerkungen oder Geistesblitze, häufig mit defensiven Anteilen.

“Vomisten sind Menschen, welche Gedanken nicht stumm im Kopf wälzen, sondern (vor)versprachlichen. Sie benötigen die Formung der Worte, um sich selbst über etwas klar zu werden. Entwicklungspsychologische Ebene ist etwa das vierte Lebensjahr. Viele Kinder, selbst Erwachsene fallen jedoch zyklisch oder permanent — denken wir an die nach emotional aufgeladenen Situationen wirkenden Selbsterklärungsprozesse — in diese Murmelphasen zurück.(Corinna Hößle & Kerstin Michalik, Hrsg.: Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen, Hohengehren 2005, S. 10)

Es ist bezeichnend, dass die Autorinnen ein den Schulalltag prägendes Phänomen lediglich in einer Fußnote bedenken. Wer einmal mit einer Schulklasse eine Nacht im gleichen Schlafsaal verbracht hat, weiß um die schier unendliche Denk- und Sprechfreude von Kindern und Jugendlichen. Schrieb nicht bereits Heinrich v. Kleist: Weiterlesen »

AsternDass der Roman von Rafik Schami als Kinderbuch  und in der Orientierungsstufe gelesen wird, verdankt er wohl seiner Kürze und dem   humorvoll beschriebenen märchenhaft anmutenden orientalischen Lokalkolorit. Dem reiferen Leser offenbart sich jedoch das ernsthafte Anliegen des Romans gleich im ersten Tagebucheintrag:

„Die Chinesen haben es mit der Erfindung des Papiers möglich gemacht, dass die Kunst des Lesens und Schreibens für jedermann zugänglich wurde. Sie brachten die Schrift von den Tempeln der Gelehrten und den Palästen der Könige auf die Straße.“ 

Der Roman thematisiert in meist kurzen Tagebucheinträgen über  einen Zeitraum von drei Jahren aus (anfänglich naiv) kindlicher Erzählperspektive die Initiation eines vierzehnjährigen Jungen aus Damaskus in das Leben; vornehmlich jedoch in die Kunst des Lesens und Schreibens  in einem autokratischen System, die Geschichte spielt nämlich im Syrien der Militärdiktaturen  der 40er und 50er Jahre. Er empfiehlt sich daher als ein unaufdringliches,  aber überzeugendes Plädoyer für Menschenrechte und Pressefreiheit:

„Leise muß ein Erzähler sein, und je leiser er ist, desto weiser ist er.“

Ob Kinder die Geschichte des Bäckerjungen wirklich  goutieren können, Weiterlesen »

René Magritte - L´ Art de la Conversation IWer jemals an einem Beratungsgespräch teilgenommen hat, sei es als Beratender oder Beratener, weiß um die spezifischen Schwierigkeiten des Verstehens und Einverständnisses. Der belgische Maler René Magritte (1898-1967) hat das generelle Problem der Konversation mehrfach vieldeutig thematisiert: als die Kunst der gemeinsamen Konstruktion eines  überwältigenden Traums, als Traum von der Kunst des gemeinsamen Aus-dem-Wegräumens augenscheinlich unüberwindbarer Hindernisse, als Albtraum, aber auch als gemeinsame Reise über einen dunklen Pass, vor dem sich ein neuer Horizont eröffnet.

Renè Magritte - L`Art de la Conversation IISchüler und Anfänger im Lehrerberuf  verstehen sich vielfach nicht als Ratsuchende, sondern als der Beratungssituation ausgelieferte. Daher erleben sie sich häufig herausgefordert wie die Gesprächsteilnehmer in Magrittes Darstellung und in den meisten Fällen wenig hilfreich beraten, sondern vielmehr wenig hilfreich belehrt. Lehrer und Ausbilder dagegen erleben sich häufig als ohnmächtig, weil ihre  Bemühungen nur geringfügige Resonanz finden und ihr Knowhow über die Prüfungssituationen hinaus keinerlei Beachtung mehr findet.

In Analogie zu Magrittes L`Art de la Conversation I und III könnte man Weiterlesen »

Stefan Andres

"Wir sind Utopia" - Philippe Büdinger

“Die Zigarette oder das Messer!”

1) Zeitaufwändig, langweilig, kompliziert und umständlich, eine echte Herausforderung

So bewerten israelische Schüler das Lernen mit Büchern in der Schule. Ihre Begründung: Bücher enthalten mehr Details, sind genauer, seriöser und ausführlicher, der Leser muss sich intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen und kann, im Gegensatz zum Lernen mit Internet, nicht zum Spielen, Chatten und Surfen ausweichen. Sprache als Herausforderung

Missen wollen die Schüler das Internet mit all seinen Vorteilen nicht. Fundiert und nachhaltig wird  Wissen ihrer Meinung nach jedoch  nicht durch vergnügliches Clicken und Surfen, weil die optisch ansprechende Oberfläche und der flache Inhalt von Internetquellen häufig korrelieren, sondern erst durch das anstrengende Lesen schwieriger Bücher.

Wirft man einen Blick in die Taschen und Sammelordner der Schüler wundert man sich schon,   wieviel  leichte Kost in Kopie-Format ihnen heutzutage zugemutet wird. Nicht verwundert es, dass sich auf diese Weise größere Leselust, tiefgründiges kritisches Leseverstehen oder skeptisches Abwägen literarischer Gütekriterien nicht einstellen.Erzähler

2) Zeitaufwändig, langweilig, kompliziert und umständlich, eine echte Herausforderung?

Die Frage nach dem Warum stellte eine 10. Klasse beim Lesen der beiden Novellen Wir sind Utopia (1936) und El Greco malt den Großinquisitor (1942) von Stefan Andres.  Stefan Andres ist ein Paradebeispiel Weiterlesen »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.