
Man höre und staune. Schon wieder gibt es eine Studie, die zeigt, dass Kindern systematisch die Räume zum ungehinderten Lernen und zum freien Entfalten aberkannt werden. Kinderspielplätze, die vorrangig nach Sicherheitsvorschriften genormt sind, sind zu weich gepolstert, wenig phantasievoll und gänzlich anspruchslos gestaltet. Herausforderungen jenseits des Zauns von Schutzmaßnahmen enden dann fast unweigerlich in Bruchlandungen oder werden aus Ängstlichkeit gar nicht erst wahrgenommen.
Zum Glück besitzen Kinder die bewundernswerte Fähigkeit der Kooperation, um Erwachsene nicht zu enttäuschen. Da Kinder per se lernen wollen, finden sie auch immer Auswege und Ausstiege aus den unangemessenen, z. T. geradezu absurd gestalteten “Hochsicherheitstrakten”, um eigene, kindgemäße Erfahrungen machen zu können. Ich denke dabei an die dreijährige Nina, die sich mit Eimerchen und Schäufelchen auf den Weg zum Spielplatz in unserem neuen Baugebiet gemacht hat, um die kratzigen Holzschnitzel wegzuräumen.
Lernen geht eben nicht nach Norm und Vorschrift. Kindliches Lernen geht anders, wie Remo Largo nicht müde wird zu betonen. Jedes Kind lernt auf seine einzigartige Weise und jedes Kind kann die in ihm angelegten Fähigkeiten ausbilden, wenn es die richtigen Rahmenbedingungen erhält. Mit richtigen Rahmenbedingungen meine ich nicht Klassenzimmer, deren Fenster sich nicht öffnen lassen. Nicht Eltern, die den Lernstoff ihres Kindes aus dem Effeff hersagen können. Nicht Lehrkräfte, die Lernerfolg mit der planmäßigen Erfüllung von Lernkontrollen gleichsetzen. Nicht Schulpsychologen, die hinter jeder kindlichen Rauferei Gewaltpotential wittern. Nicht die Sonntagsreden der Bildungspolitiker.
Wir wissen es längst:
Belehrungsstrategien und Kontrollstrategien, Frühförderung und Nachhilfe bedienen lediglich die Sehnsüchte der Erwachsenen nach dem vermeintlich perfekten Kind. Wir wissen auch, dass wir auf diesem Wege letztendlich Menschen am Gängelband kreieren, deren Leben von Angst beherrscht wird: „Unsicherheit und Unerfahrenheit schlagen sich nicht nur auf das Urteilsvermögen nieder. Sie schaffen Angst, und jeder Versuch, eine hochkomplexe Realität mit einem dürren Erfahrungsschatz abzugleichen, schafft noch mehr Angst“.
Was für die Spielplätze gilt, trifft auch auf die meisten der heutigen Schulen als Lernorte zu. Lernen fürs Leben braucht jedoch nicht Kulisse, sondern erfahrungsoffene Räume und Mut zum Fehler und Mut zum Risiko, damit das Kind sich auch Abgrund “hüten“ lernt und auf seine Stärken vertrauen kann. Remo Largos kleines Büchlein schließt mit dem Satz:
“Die Zukunft ist nur schwer voraussehbar, und so fehlt uns weitgehend die Vorstellung, wie die zukünftige Schule aussehen muss. Einen sicheren Orientierungspunkt jedoch gibt es: die Kinder als lernende Wesen. Auf sie sollten wir die Schule ausrichten.
Weitere Lesetipps: Kita-Kinder wollen nach Mallorca, Die Notwendigkeit der Erfahrung, Natur als emotionaler Gegenpol.
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Die Schülerarbeiten sind Denkwelten-Produkte.







